Benötigt man Tabletten bei einer Fruktoseintoleranz?

Benötigt man Tabletten bei einer Fruktoseintoleranz?
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Tabletten bei Fruktoseintoleranz?

Viele Menschen leiden an einer Fruktoseintoleranz oder haben eine Fruktose Allergie. Dies hindert sie daran fruktosehaltige Lebensmittel, wie zum Beispiel Obst, zu konsumieren. So kann man die vielen positiven Effekte von einem regelmäßigen Obst-, aber vor allem von einem regelmäßigen Beerenkonsum, erhalten. Aber benötigt man wirklich zwingend Tabletten oder Medikamente bei einer Fruktoseintoleranz oder gibt es auch einen anderen Weg. Dieser Artikel soll darüber Auskunft geben, ersetzt aber natürliche keine ärztliche Beratung.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fruktoseintoleranz, einer Fruktoseallergie und eine Fruktosemalabsorbtion?

Die meisten Krankheitsbilder die als Fruktoseintoleranz oder Fruktose Allergie bezeichnet werden, sind grundlegend eine Fruktosemalabsorbtion. Hiervon gibt es zwei Formen. Die angeborene Fruktosemalabsorbtion und die im Laufe des Lebens erhaltene Fruktosemalabsorbtion, die wir in diesem Artikel thematisieren werden.

Was ist eine Fruktosemalabsorbtion?

Um zu klären, woher eine Fruktosemalabsorbtion kommt, zeigen wir zuerst was eine Fruktosemalabsorbtion überhaupt ist. Fruktose kommt in Obst und Gemüse, aber auch in vielen verarbeiteten Produkten vor. Wenn man diese nun konsumiert, muss die Fruktose abgebaut werden. Dies geschieht im Dünndarm. Hier stehen sogenannte Glut-2 und Glut-5 Transportproteine zur Verfügung, um die Fruktose zu absorbieren und ins Blut zu transportieren. Hierbei hat letztendlich nur das Glut-2 Protein die Fähigkeit, Fruktose ins Blut abzugeben. Wenn nun aber mehr Fruktose vorliegt, als über die Transportproteine absorbiert wird, gelangt die Fruktose in den Dickdarm. Dort bauen Bakterien diese ab. Hierbei entstehen Gase, wie zum Beispiel Wasserstoff. Deshalb ist der gängige Test, um eine Fruktosemalabsorbtion festzustellen, der Wasserstoff-Atemtest.

Symptome einer Fruktoseintoleranz

Da bei einer Fruktosemalabsorbtion, die Fruktose nicht im Dünndarm abgebaut werden kann, wird sie im Dickdarm durch Bakterien zersetzt. Dabei entstehen Gase. So treten Unterleibsschmerzen, Flatulenz, Durchfall und Atemprobleme auf, da die Gase, auf die Organe und das Zwerchfell druck ausüben.

Jeder hat im Grunde ein Fruktosemalabsorbtion

Man erkennt, dass im Grunde jeder eine gewisse Fruktosemalabsorbtion hat, da jedem nur eine begrenzte Anzahl an Transportproteinen zur Verfügung stehen. Die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) geht ab einer Aufnahmekapazität von maximal 25g Fruktose pro Stunde von einer Fruktosemalabsorbtion aus.

Woher kommt eine Fruktosemalabsorbtion?

Viele Softdrinks enthalten zugesetzte Fruktose

Normalerweise tritt eine Fruktosemalabsorbtion im Laufe des Lebens bei einer reine Fruktosezufuhr aus Obst und Gemüse eher selten auf. Aber nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch verarbeitete industrielle Produkte enthalten Fruktose. Zum Beispiel in Softdrinks wird Fruktose als Teil von Dextrose, bzw. Glucose zugesetzt. Dies stellt den üblichen Haushaltszucker dar, der zur Hälfte aus Glucose und zur anderen aus Fruktose entsteht. Jedoch entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten der Trend, Fruktose als Fruktosesirup oder in anderen konzentrierten Formen, als Süßungsmittel zu verwenden, da Fruchtzucker süßer und leichter löslich ist, sowie einen geringeren Anstieg des Blutzuckers hervorruft. So enthalten bestimmt Produkte unverhältnismäßig hohe Fruktosegehalte und überschreiten somit sehr schnell die Aufnahmekapazität. Wenn nun Fruktose aus solchen Lebensmitteln und Fruktose aus Obst und Gemüse zusammentrifft, ist es eigentlich nicht das Obst und Gemüse, welche Beschwerden hervorrufen, sondern die anderen Produkte.

Ist ein Verzicht auf Fruktose die dauerhafte Lösung?

Oft wird nun der Trugschluss gezogen, dass ein Verzicht auf Fruktose die Situation dauerhaft verbessert. Dies ist aber nicht der Fall. Wenn nämlich gar keine Fruktose mehr konsumiert wird, sinkt die Anzahl der Transportproteine und somit führt bereits weniger Fruktose zu Beschwerden.

Benötigt man Medikamente gegen die Fruktoseintoleranz?

Zum Glück muss man nun nicht zwingend Tabletten gegen die Fruktoseintoleranz nehmen, denn die Behandlung funktioniert recht effektiv. Sie läuft in 3 Phasen ab:

Phase 1 – die Karenzphase

Trotz der Untauglichkeit eines dauerhaften Verzichts auf Fruktose, sollte man nach starken Beschwerden erst einmal komplett auf Fruktose verzichten. So findet man heraus, ob die Beschwerden wirklich durch Fruktose ausgelöst werden und der Körper kann sich erholen. Während dieser Zeit, sowie generell sollten keine Zuckerersatzprodukte, wie Sorbit benutzt werden, da diese das gleiche Transportprotein, wie Fruktose benötigt.

Phase 2 – die Testphase

Nach dieser 2-4 wöchigen Karenz beginnt man den Körper 6-8 Wochen wieder an Fruktose zu gewöhnen und testet aus, welche Lebensmittel er verträgt. Hierbei gibt es 3 Taktiken:

Taktik 1 – auf ein gutes Glucose-Fructose-Verhältnis achten.

Die erste Taktik besteht darin, Lebensmittel mit einem guten Glucose-Fructose-Verhältnis auszuprobieren und zu testen. Hier macht man sich, wie bei Taktik zwei, einen positiven Effekt der Glucose zunutze. Denn Glucose wird über das Transportprotein SGLT1 aus den Dünndarm in die Epithelzellen des Dünndarms absorbiert. Dieses transportiert aber nicht nur die Glucose, sondern führt auch zu einer Ausschüttung von GLUT-2 welches für den weiteren Transport von Glukose in die Blutbahn benötigt wird. Wie wir also bereits wissen, transportiert GLUT-2 sowohl Fruktose aus dem Dünndarm in die Blutbahn, als auch Glucose aus den Epithelzellen in die Blutbahn. So erhöht eine verstärkte GLUT-2 Ausschüttung durch die Glucose, auch die Fruktoseabsorbtion. Deshalb sind Lebensmittel mit einem guten Fruktose-Glukose-Verhältnis leichter verträglich und als Erstes in Phase 2 zu testen.

Zu Obst mit einem guten Glucose-Fructose-Verhältnis gehören: Pflaumen, Aprikosen, saure und süße Kirschen, Weintrauben, Papaya, Erdbeeren, Brombeeren, Bananen, als auch Ahornsirup.

Taktik 2 – Obstsorten mit schlechtem Glucose-Fructose-Verhältnis mit externen Glukosequellen kombinieren

Wie gerade erläutert fördert Glucose die Fruktoseabsorbtion. So kann natürlich auch externe Glucose für diesen Zweck verwendet werden. Hiermit meine wir kein Glucosepulver, sondern zum Beispiel stärkehaltige Vollkornprodukte, die während der Verdauung zu Glucose abgebaut werden. So wird es zum Beispiel auch beim Porridge mit Früchten gemacht.

Taktik 3 – die Verdauung verlängern

Zum Beispiel Mandeln Verlängern den Verdauungsprozess und erhöhen somit die Fruktoseabsorbtion

Da die Fruktoseabsorbtion einer bestimmten Menge immer an Zeit gebunden ist, in der eine bestimmte Anzahl an Transportproteinen zur Verfügung stehen, kann die Fruktoseabsorbtion auch durch die Verlängerung des Verdauungsprozesses verbessert werden. So kann man Früchte mit Nüssen und Samen, als auch mit proteinhaltigen Lebensmitteln kombinieren, um die Verdauung zu verlängern.

Phase 3 – die Langzeitphase

In der finalen Phase werden die erprobten Lebensmittel nun regelmäßig zugeführt und der Körper hat sich schon reltiv gut an die Fruktose gewöhnt und stellt nun mehr Transportproteine zur Verfügung. Trotzdem sollte man immer wieder neue Lebensmittel ausprobieren, um letztendlich vielleicht sogar seine gesamte Glukosemalabsorbtion zu beenden.

Tabletten bei Fruktoseintoleranz?

Wie man in diesem Artikel sieht, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten gegen eine Fruktoseintoleranz und man benötigt nicht unbedingt Tabletten.

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Die Information aus diesem Artikel stammen zum Teil aus dem Buch „Vegan Klischee Ade“ von Niko Rittenau und wir legen dieses Buch jedem ans Herz, der genaueres über dieses Thema, sowie die gesamte vegane Ernährung erfahren möchte.



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