Spermidin – eine Waffe gegen Corona?

Spermidin – eine Waffe gegen  Corona?
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Spermidin Corona?

In den vergangenen Tagen erregte eine neue Spermidin Corona Studie der Berliner Charité und ein Artikel der Grazer Zeitung „Kleine Zeitung“ großes aufsehen. Berichtet wird über den Stoff Spermidin und seine Einsetzung bei der Bekämpfung von Corona-Viren. Aber was ist Spermidin und was ist an diesen Thesen wirklich standhaft?

Was ist Spermidin?

Spermidin ist ein körpereigenes Polyamin, welches in geringer Konzentration in jeder Körperzelle vorkommt. Zuerst entdeckt wurde der Stoff in den 70ern in menschlichen Spermien, nach denen er auch benannt wurde.

Die Wirkung von Spermidin

Die Rolle von Spermidin im menschlichen Körper ist noch nicht komplett geklärt. Jedoch weiß man, dass Spermidin die Autophagie, also den Abbau von Zelleigenen Strukturen auslöst und verstärkt. Dies hört sich im ersten Moment gefährlich an, ist aber ein Prozess, der für unsere Gesundheit eine enorme Rolle spielt. Durch ihn werden fehlerhafte Bestandteile, wie z.B. falsch gefaltet Proteine, entfernt. Dies sorgt dafür, dass die Zellen weiterhin gut Funktionieren können. Dieser Effekt konnte erstmals bei Hefezellen festgestellt werden. Später konnte auch ein positiver Effekt auf den Alterungsprozess bei Fruchtfliegen und auf Nervenzellen bei Mäusen festgestellt werden. So ist Spermidin entscheidend für die Zellaktivität von Proteinen und von Mitochondrien. Der Effekt der Autophagie ist übrigens auch beim Fasten aktiv und ist vermutlich für ein Teil der positiven Auswirkungen des Fastens verantwortlich.

Vor was schützt Spermidin?

Durch die oben genannten zellulären Auswirkungen, konnten viele Effekte auf die Gesundheit festgestellt werden. So konnte eine Ernährung, welche reich an Spermidin ist, mit einem geringeren Risiko an Gefäßerkrankungen und Erkrankungen des Darms in Verbindung gebracht werden. Zudem konnten positive Auswirkungen auf Nervenzellen und somit auf auch Demenz festgestellt werden. Auch die Tumorbildung soll mit Spermidin in Verbindung stehen, sowie die nun folgenden Krankheiten.

Spermidin bei Verbrennungen?

Spermidin gegen Verbrennungen

Vor allem in Bezug auf Verbrennungen konnten viel positive Forschungsergebnisse erzielt werden. So soll Spermidin den Heilungsprozess der verbrannten Haut erleichtern und das gefürchtete Nachbrennen, welches bei Abheilen einer Verbrennung entsteht, hemmen. So wird über eine direkte Behandlung von Brandopfern mit Spermidin nachgedacht, sowie über eine prophylaktische Behandlung bei Feuerwehrleuten.

Spermidin gegen Herzerkrankungen

Herzerkrankungen sollen auch mit Spermidin positiv zu beeinflussen sein. Denn Spermidin unterstützt die Gesundheit der Herzmuskelzellen und verbessert somit die Diastole, also die Entspannung des Herzmuskels in der Füllungsphase. Spermidin kann Bluthochdruck senken und Herzmuskelinsuffizienzen, sowie Flüssigkeitsansammlungen vorbeugen.

Spermidin Corona ?

In einer neuen Studie der Berliner Charité haben die deutschen Forscher um Christian Drosten und Marcel Müller eine schützende Wirkung von Spermidin gegen das Coronavirus festgestellt. So wurde bemerkt, dass von SARS-CoV2 betroffene Zellen eine verminderte Aktivität der Autophagie haben, damit sich das Virus in ihnen vermehren kann. So ist auch die Spermidinkonzentration geringer. Als aber nun den infizierten Zellkulturen Spermidin zugeführt wurde, konnte die Vermehrung des Virus um 85 % gesenkt werden. Auch eine präventive Zugabe von Spermidin, senkte die Vermehrungsrate um 70 %. Wie aussagekräftig diese Spermidin Corona Studie ist, muss sich aber noch in ausführlicheren Untersuchungen zeigen.

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Von was hängt die Konzentration von Spermidin ab?

Spermidin produziert zwar jeder Mensch selbst, die Eigensynthese nimmt aber mit steigendem Alter ab. So haben ältere Menschen in der Regel eine niedrigere Konzentration des Stoffes in ihren Zellen. Jedoch steigt die Menge von Spermidin auch bei gewissen Aktivitäten an. So ist im Wachstum und während Schwangerschaften die Spermidinmenge erhöht. Auch die Regeneration von Muskelzellen nach einer sportlichen Betätigung erhöht die Spermidinwerte. Zudem ist bei gewissen Krankheiten, sowie nach hohem Blutverlust und nach längeren Höhenaufenthalten die Spermidinkonzentration erhöht.

Welche Lebensmittel enthalten Spermidin?

Weizenkeime243
Sojabohnen, getrocknet207
Cheddarkäse, 1 Jahr gereift199
Sojabohnen, getrocknet128
Kürbiskerne104
Pilze89
Reiskleie50
Hühnerleber48
Erbsen46
Hackfleisch, Rind37
Mais32
Mango30
Kichererbsen29
Dill29
Sellerie27
Blumenkohl (gekocht)25
Brokkoli (gekocht)25
Haselnüsse21
Kopfsalat19
Okra19
Vollkornbrot18
Spinat16
Melone12

Sollte man Spermidin supplementieren?

Wie man sieht, gibt es einige gute Quellen von Spermidin. Auch kann durch sportliche Aktivitäten die Spermidinsynthese angeregt werden. Jedoch kann es für manche auch eher umständlich sein, die oben genannt Lebensmittel in ausreichender Menge regelmäßig zuzuführen. So kommt ein Nahrungsergänzungsmittel theoretisch infrage. Hierbei muss man aber beachten, dass die orale Aufnahme von Spermidin noch nicht ausreichend untersucht wurde, um deren Wirksamkeit zu bestätigen. Auch fehlen große Aussagekräftige Studien rund um Spermidin, um ein klares Fazit abzugeben. Jedoch sind auch keine Nebenwirkungen von der Zufuhr von Spermidin bekannt. Ein ähnliches Wundermittel stellt L-Carnosin dar, über das wir bereits einen Artikel geschrieben haben.

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Studien zu Spermidin und zu Spermidin Corona:

Datenblatt Spermidine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011 (PDF).

 Kazuei Igarashi, Keiko Kashiwagi: Modulation of cellular function by polyamines. In: The International Journal of Biochemistry & Cell Biology. 42, 2010, S. 39, doi:10.1016/j.biocel.2009.07.009.

S. Mandal, A. Mandal, H. E. Johansson, A. V. Orjalo, M. H. Park: Depletion of cellular polyamines, spermidine and spermine, causes a total arrest in translation and growth in mammalian cells. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. 110, 2013, S. 2169, doi:10.1073/pnas.1219002110.

Verabreichung der natürlichen Substanz Spermidin stoppt Demenz. Freie Universität Berlin, 1. September 2013, abgerufen am 4. September 2013.

Frank Madeo et al.: Induction of autophagy by spermidine promotes longevity. In: US National Library of Medicine National Institutes of Health (Hrsg.): Nat Cell Biol. 11. November 2009, S. 1305–1314, doi:10.1038/ncb1975PMID 19801973.

Varun K Gupta, Lisa Scheunemann, Tobias Eisenberg, Sara Mertel, Anuradha Bhukel, Tom S Koemans, Jamie M Kramer, Karen S Y Liu, Sabrina Schroeder, Hendrik G Stunnenberg, Frank Sinner, Christoph Magnes, Thomas R Pieber, Shubham Dipt, André Fiala, Annette Schenck, Martin Schwaerzel, Frank Madeo, Stephan J Sigrist: Restoring polyamines protects from age-induced memory impairment in an autophagy-dependent manner. In: Nature Neuroscience. 2013, doi:10.1038/nn.3512 (englisch).

Frank Madeo et al.: Cardioprotection and lifespan extension by the natural polyamine spermidine. In: Nat Med. 22. Dezember 2016, S. 1428–1438, doi:10.1038/nm.4222PMID 27841876.

S. Kiechl, R. Pechlaner, P. Willeit et al.: Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. In: The American Journal of Clinical Nutrition. Band 108, Nr. 2, 1. August 2018, S. 371–380, doi:10.1093/ajcn/nqy102PMID 29955838.

SENECA-MEDAILLE 2019. INDUSTRIE-CLUB DÜSSELDORF, 8. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.

Gerhild Leljak: Seneca-Medaille für Molekularbiologen Frank Madeo. Universität Graz, 9. Mai 2019, abgerufen am 15. Mai 2019.

Nils C. Gassen, Christian Drosten, Marcel A. Müller et. al.: Analysis of SARS-CoV-2-controlled autophagy reveals spermidine, MK-2206, and niclosamide as putative antiviral therapeutics. In: BioRxiv. 15. April 2020, bioRxiv: 10.1101/2020.04.15.997254v1 (Preprint-Volltext).

Martin Smollich: Charité-Studie: Mit Spermidin gegen COVID-19. In: Ernährungsmedizin. 23. April 2020, abgerufen am 23. April 2020 (deutsch).

C. Schwarz, S. Stekovic u. a.: Safety and tolerability of spermidine supplementation in mice and older adults with subjective cognitive decline. In: Aging. Band 10, Nummer 1, Januar 2018, S. 19–33, doi:10.18632/aging.101354PMID 29315079PMC 5807086 (freier Volltext).

E. Morselli, G. Mariño u. a.: Spermidine and resveratrol induce autophagy by distinct pathways converging on the acetylproteome. In: Journal of Cell Biology. Band 192, Nummer 4, Februar 2011, S. 615–629, doi:10.1083/jcb.201008167PMID 21339330PMC 3044119 (freier Volltext).

S. Wang, S. Joshi, S. Lu: Delivery of DNA to skin by particle bombardment. In: Methods in molecular biology. Band 245, 2004, S. 185–196, PMID 14707379.

Mohamed Atiya Ali, Eric Poortvliet, Roger Strömberg, Agneta Yngve: Polyamines in foods: development of a food database. In: Food & Nutrition Research. Band 55, Nr. 1, 1. Januar 2011, S. 5572, doi:10.3402/fnr.v55i0.5572PMID 21249159PMC 3022763 (freier Volltext).

T. M. Klein, T. Gradziel, M. E. Fromm, J. C. Sanford: Factors Influencing Gene Delivery into Zea Mays Cells by High–Velocity Microprojectiles. In: Nature Biotechnology. Band 6, Nr. 5, S. 559–563, doi:10.1038/nbt0588-559.

Spermidin Lebensmittel. Abgerufen am 16. April 2020 (deutsch).



1 thought on “Spermidin – eine Waffe gegen Corona?”

  • Wow, ich habe zwar schon einmal etwas von Spermidin gehört, habe aber gedachte, dass es nur ein weiteres Wundermittel ist. Aber die Corona Spermidin Studie lässt ja eine tatsächliche Wirkung vermuten. Sehr interessant!!

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